29 Nov

Nachruf

ERICH FUCHS

Ein persönlicher Nachruf von Martin Beranek

 

Es war im Jahr 1989. Das Team Kumgang Stockerau traf sich mit dem Team Kumgang Wien (damals noch unter Trainer Franz Haberl) in der Klosterneuburgerstraße in Wien, um an einer Meisterschaft teilzunehmen. Als ich mich in die letzten Parklücke, die in der Straße noch frei war einparken wollte, war jemand schneller und schnappte mir den Parkplatz vor der Nase weg. Erich Fuchs war der „Kontrahent“.

Was normalerweise zu einem handfesten Streit ausarten würde, war der Beginn einer fast drei Jahrzehnte langen Freundschaft.

Erich war gekommen um seinen Sohn Harald beim Wettkampf beizustehen, denn es war ihm gar nicht recht, dass dieser sich mit dieser „Schlägertruppe“ abgab.

Es kam aber anders! Der Taekwondovirus hatte Erich erfasst. Von diesem Tag an gab es selten ein Training bei dem er nicht anwesend war. Kurz als Sportler, nach einem Muskelfaserriss bald als Funktionär.

Er übernahm bald das Amt als Vereinskassiers. Erich war ein hervorragender Netzwerker. Es dauerte nicht lange und er übte auch das Amt des Vereinsmanagers aus. Ich selbst konnte mich dadurch auf die sportlichen Belange konzentrieren.

In dieser Kombination waren wir ein unschlagbares Team. Bald beneideten uns viele Vereine um diese Partnerschaft.

Für Erich gab es keine Grenzen. Als der administrative Aufwand größer wurde und wir ein Büro benötigten, erwirkte er die Genehmigung, im Keller der Volksschule Mauern aufzustellen und ein Vereinsbüro zu errichten. Da noch Platz frei war, suchte er auch um die Genehmigung für den Bau einer Kraftkammer an. Mit dem Willen Probleme zu beseitigen und Visionen zu verwirklichen war er die Triebfeder für den Vereinserfolg!

Er brachte aber auch Leute zusammen. Schon beim ersten Selbstverteidigungskurs den er organisierte, wurde der Grundstein für zwei Kumgang-Ehen gelegt. Darunter auch meine mit Marion. Es folgten noch einige weitere. Aus manchen Ehen gingen auch Kinder hervor, die bereits wieder in der Kindergruppe trainieren.

Die Jugend- und Kinderarbeit war ein besonderes Anliegen für Erich. Er förderte die Kinder, überredete sie weiterzumachen, wenn die Lust aufs Training verloren ging und motivierte sie an Wettkämpfen teilzunehmen.

Und hier war die nächste Stärke, die Erich auszeichnete. Obwohl er kein aktiver Sportler war, erkannte er Talente. Er konnte jede Technik genau erklären, sah Fehler und hatte Lösungen sie zu vermeiden.

Als ich mich 2006 für die erste Poomsae WM qualifizierte, war Erich neben den monatlichen Teamtrainingseinheiten, mein persönlicher Trainer und Coach. Wir trainierten mehrmals die Woche speziell auf dieses Ereignis hin. Er sah meine Fehler, gab mir Lösungsvorschläge, motivierte mich! Bei der WM in Seoul war er natürlich dabei und freute sich als er sah, dass das Training Früchte getragen hatte und ich das Halbfinale erreichte.

Aber nicht nur ich profitierte von seinem Fachwissen. Auch Topsportler aus anderen Vereinen traten oft bei gemeinsamen Trainingseinheiten an ihn heran und suchten seinen Rat.

Er wirkte verbindend auf Sportler und Funktionäre. Man konnte bei großen internationalen Turnieren sehen, wie sich alle freuten Erich zu sehen. Verbandspräsidenten anderer Nationen, Weltmeister, Europameister, Spitzentrainer, alle waren seine Freunde.

Erstmals wirklich aufmerksam auf seine Erkrankung wurde ich, als wir in Alicante/Spanien ein Turnier besuchten und er Schwierigkeiten hatte, bei einem Spaziergang über einen Hügel mit uns anderen Schritt zu halten. Hier wurde mir erstmal bewusst, dass seine Lungenerkrankung für ihn eine Beeinträchtigung im täglichen Leben darstellte.

Trotzdem erfüllte er seine Aufgaben im Verein und als Vizepräsident im Niederösterreichischen Taekwondo Verband weiterhin mit dem Elan, den seine Erkrankung zuließ. Wenn er auch im Laufe der nächsten Jahre zunehmend mehr als Ideenlieferant und Helfer bei der Ausführung fungierte, war er in allen Belangen ein Antreiber.

Manchmal wurde er aber auch ungeduldig, merkte, dass er nicht mehr so konnte, wie er wollte. Es konnte schon passieren, dass man sich seinen Unwillen zuzog und es längere Zeit dauerte, bis er wieder versöhnt war. Aber dies war seinem unbändigen Verlangen nach Veränderung und dem Erreichen seiner Ziele geschuldet.

Aber nicht nur das Erreichen zukünftiger Ziele, auch das Wahren alter Begebenheiten war seine Leidenschaft. Erich konnte besonders gut, alte Geschichten zu erzählen. Wer lange dabei war, hörte diese Geschichten sehr oft und nie wurde es dabei langweilig.

Ich selbst ertappe mich jetzt dabei, dass ich diese Eigenheit übernehme und des Öfteren alte Geschichten mehrmals erzähle. Ich werde es bewusst nicht ablegen, sondern pflegen. In diesen Geschichten, wird Erich weiterleben und ich hoffe, dass dies auch nachfolgende Generationen so handhaben.

Als es Erich die letzten Wochen immer schlechter ging, wollte ich ihn besuchen. Da er aber, wenn ich ihn anrief immer sehr schwach und müde war, habe ich es immer verschoben, in der Hoffnung, dass es bald einen besseren Tag geben werde. Der kam aber nicht mehr. Ich konnte mich auch nicht an seinem letzten Tag verabschieden. Ich wollte am Abend sofort nach der Arbeit zu ihm fahren, aber am Nachmittag erreichte mich die Nachricht seines Ablebens.

Wir alle haben einen Freund und Mentor verloren. Aber Erich war ein „Spurenhinterlasser“. Diese Spuren werden uns immer zu ihm zurückführen. Er wird nie vergessen werden!